| Sehr
geehrter Herr Minister,
in
unseren bisherigen Schreiben wiesen wir Sie auf die Notwendigkeit einer
allgemeinen staatsbürgerlichen Leistungsentwicklung in der Bundesrepublik
Deutschland hin.
Wir
teilten Ihnen gleichzeitig mit, daß wir Ausbildungs-programme
entwickelt haben, welche auf die systematische Entwicklung einer demokratischen
Handlungsfähigkeit des einzelnen ausgerichtet sind mit welcher
der einzelne Bürger sein politisches Schicksal wieder kraft freier
Gewissens- und Willensbildung uneingeschränkt in seine eigene Hand
nehmen kann da er die Folgen politischer Entscheidungen ohnehin
selbst tragen muß.
Wir
informierten Sie außerdem darüber, daß wir die Programme
vom kommenden Frühjahr an zum Einsatz zu bringen gedenken.
Als
professionellem Politiker sollte Ihnen nicht verborgen geblieben sein,
daß es in unserer jungen Bundesrepublik bislang irgendwelche praktischen
Programme einer fundierten staatsbürgerlichen Ausbildung nicht
gibt wie übrigens auch in der ganzen bekannten Geschichte
dessen, was man so allgemein mit Deutschland bezeichnet.
Wir
sind uns darüber im klaren, daß wir Sie als einen gewieften
Experten des politischen Geschäftes nicht erst darüber aufklären
müssen, daß sich in unserem Lande immer neue und immer größere
Krisen ausweiten welche vom Anwachsen der Kriminalität über
die steigende Drogensucht und die sich ausweitende Selbstmordrate bis
zu immer gefährlicherer Wirtschaftskriminalität gerade auch
im Bereich der Umweltzerstörung reichen und schließlich auch
in Ihre hohen Regionen hineinragen, wo Korruption, Amtsmißbrauch
und Bestechlichkeit die große Mode zu sein scheinen.
Es
dürfte Ihnen deshalb klar sein, daß eine demokratische Ausbildung
des Bürgers, welche sein demokratisches Bewußtsein stärkt
und sein soziales Gerechtigkeits-empfinden mehrt, unumgänglich
ist und möglicherweise ganz besonders auch bei den hohen
Führungspersönlich-keiten unserer Gesellschaft selbst: in
Staat, Wirtschaft, Justiz und bei den Medien.
Insofern
verwundert es uns als Vertreter der Jugend die wir das korrupte
politische Geschäft noch nicht genügend kennen , daß
Sie als Repräsentant einer mit dem Begriff demokratisch
gekennzeichneter Partei hier plötzlich, wo es um einen demokratischen
Entwicklungsprozeß auf seiten des Bürgers geht, wie gelähmt
sind und sich überhaupt nicht rühren; und wir erwarten hier
von Ihnen eine Erklärung.
Wir
sind der Meinung, daß uns als Staatsbürgern hierzu ein Recht
zusteht, denn einerseits sind Sie kraft Gesetz gerade dem grundlegenden
demokratischen Fortschritt verpflichtet, welcher sich erst einmal zentral
auf die praktische Verwirklichung der Grundmenschenrechte richten muß
so wie diese in unserer Verfassung verankert sind.
Aber zum anderen sind wir auch der Meinung, daß auch Ihr Amtseid
den Sie ja geleistet haben, als Sie Ihr wohldotiertes und mit
vielen anderen persönlichen Vorteilen verbundenes Pöstchen
antraten Sie zu einem entsprechen-den amtlichen Engagement verpflichtet.
Die
einzige akzeptable Erklärung für uns Staatsbürger kann
Ihrerseits nur darin liegen, daß Sie die ganze Zeit nicht im Dienst
waren sei es aus Gesundheits- oder anderen Gründen.
Sollten Sie aber mit einer solchen Rechtfertigung nicht aufwarten können,
dann können wir uns nicht vorstellen, daß Sie politisch so
verdorben, amtlich so korrupt und menschlich so charakterlos sein können,
mit einem derarti-gen amtlichen Offenbarungseid irgendwelche weiteren
Wahlen bestreiten zu wollen.
Wir
setzen auch voraus, daß Sie als versierter Politiker nicht so
verschlafen sein können, daß Sie nicht merken, wie Sie sich
hier ins Unrecht setzen und dabei in unverant-wortlicher Weise Ihrem
Amt sowie dem Ideal der Demokratie, besonders aber dem Wohl der Bürger
einen großen und vielleicht nicht wiedergutzumachenden Schaden
zufügen können dessentwegen Sie vielleicht Generationen
später einmal unbekannterweise verflucht werden.
Mit
aufmunterndem Gruß
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